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Sonnenberg Herbstwald
Luftaufnahme Herbst
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Sonnenberg 5. Weghütte
Sonnenberg
 
 
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Portrait

Gemeindeportrait

Möhlin - Zwischen Sonnenberg und Rhein

Luftaufnahme Möhlin

Möhlin ist eine lebendige, überschaubare und attraktive Zentrumsgemeinde mit hoher Lebensqualität, in welcher sich der nötige Raum für Leben, Natur und Arbeit in einem ausgewogenen Verhältnis anbietet.

Möhlin zeigt seine Vorzüge und Reize nicht gleich auf den ersten Blick. Wer sich aber Zeit nimmt, wird schnell eine Fülle von Besonderheiten entdecken, die zum Bleiben und Leben in unserem Dorf einladen.

Überzeugen sie sich selbst in den folgenden Portraits, was die Gemeinde an interessanten und spannenden Geschichten zu erzählen hat. Erfahren sie Interessantes über Möhlin und die Region auf der Seite der Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde.

BATA-Park

Industrie-Denkmal von nationaler Bedeutung

Lange Zeit war der Bata-Park ein Zeuge aus längst vergangenen Zeiten. Doch nun wird die Idee des Gründers Tomas Bata wiederbelebt und das ursprüngliche Konzept der ehemaligen Schuhfabrik sowie des umliegenden Wohngeländes erlebt eine Renaissance. Auf dem geschichtsträchtigen Flecken Möhliner Erde brechen daher spannende Zeiten an.

Geschichte:

Es soll ein glanzvolles Ereignis werden. Doch der 12. Juli 1932 endet in einer Tragödie: Auf dem Weg in die Schweiz, wo Tomas Bata in Möhlin der Eröffnung der ersten Fabrikhalle im Bata-Park beiwohnen will, kommt der tschechische Industrielle ums Leben. Sein Flugzeug stürzt kurz nach dem Start in seiner Geburtsstadt Zlin ab. Er ist einer der ersten Firmenbesitzer überhaupt, die ein Privatflugzeug besitzen. Immerhin stirbt mit ihm aber nicht sein Unternehmen: Einen Monat nach seinem Tod werden in Möhlin die ersten Schuhe hergestellt. Weitere zwei Monate später, im Oktober 1932, sind in der Fricktaler Gemeinde 160 Menschen beschäftigt, welche Tag für Tag 1200 Paar Schuhe anfertigen.


BataZwar ist der Schuhhersteller bereits seit Ende 1926 in der Schweiz präsent, doch Tomas Bata will eine eigene Fabrik. Im Fricktal – nahe Basel, wo er neben Zürich und Bern bereits ein Geschäft besitzt und auch nicht allzu weit von seiner Zürcher Vertriebszentrale entfernt – soll sein Traum wahr werden. Zudem bietet Möhlin eine äusserst verkehrsgünstige Lage: Strassen- und Eisenbahnanschluss sind vorhanden, der Zugang zu künftig eventuell notwendigen Schiffs- und Flugverbindungen ist ebenfalls möglich.

Die Errichtung der Schweizerischen Produktionsstätte geschah allerdings nicht ganz freiwillig. Auslöser waren die 1931 in Kraft getretene, starke Erhöhung der Einfuhrzölle sowie die Kontigentierung der Importe. Mit dem Bau einer eigenen Fabrik in der Schweiz wollte Bata die Zollschranken umgehen, weil er sich viel vom hiesigen Markt erhoffte.

Wie schon zuvor in anderen Ländern will der tschechische Schuhkönig auch im Fricktal eine ganz besondere Produktionsstätte erschaffen: Nicht nur ein Fabrikgebäude soll entstehen, sondern eine ganze Kolonie mit Wohnhäusern und Erholungseinrichtungen für die Angestellten. Ein Musterbeispiel moderner Firmenarchitektur.

Für Möhlin ist das Projekt ein Geschenk des Himmels, verzeichnet das Bauerndorf doch Anfang der 30er-Jahre als Folge der Weltwirtschaftskrise über 100 Arbeitslose bei nur gerade 2800 Einwohnern. Verständlich also, dass man dem Industriellen Tür und Tor öffnet. So kann Tomas Bata 24 Hektaren Land für nur gerade einen Franken pro Quadratmeter erwerben.

Kaum ist der Landkauf im September 1931 perfekt, beginnt Batas Baubüro in Zlin die Möhliner Kolonie zu planen. Am 10. Mai 1932 erfolgt der Spatenstich für die erste eingeschossige Fabrikhalle. Dank der einfachen Bauweise ist das Gebäude bereits nach zwei Monaten fertiggestellt. Zwei Tage bevor der Firmenchef auf dem Weg in die Schweiz tödlich verunglückt.

Natürlich ist der tragische Tod des Patrons ein Schock für alle Beteiligten. Seine Idee lebt jedoch weiter: Die Bata-Kolonie wird wie geplant weitergebaut. Bis sie schliesslich in den 50er-Jahren fertiggestellt ist und sechs Fabrikhallen, ein Direktorenhaus, ein Lager- und Administrationsgebäude, rund 20 Vier- und Zweifamilienhäuser, zwei Ledigenheime sowie Garagengebäude umfasst.

Tomas Batas Vorstellungen von der Lebensdauer eines Hauses erstreckten sich über nicht mehr als eine Menschengeneration, doch die Wohnhäuser im Bata-Park stehen noch heute. Und sie sind nach wie vor das Zuhause zahlreicher Familien. Die flachgedeckten Sichtbacksteinbauten bieten nicht übermässig viel Platz und weisen aus heutiger Sicht nur wenig Komfort aus. Im Augenblick noch ein Kontrast zum überaus grosszügigen Umschwung mit ausgedehnten Grasflächen, vielen Bäumen und Sträuchern. Doch diese Kluft soll bereits in naher Zukunft verschwinden.


Heutige Entwicklung:

2005 hat die Maschinenfabrik Jakob Müller AG aus Frick das gesamte Gelände gekauft. Nach der Schliessung der Schuhfabrik im Jahr 1990 bedurfte es grosser Anstrengungen, um das Areal einer neuen Nutzung zuzuführen. Schliesslich zogen verschiedene Handwerker in die Gewerbebauten ein.


Weil seit der Stilllegung der Bata-Produktion kaum mehr Gelder zur Erhaltung des Areals geflossen waren, ging diese Phase des Wandels nicht spurlos an den Bauten vorbei. Noch immer in einer wunderbaren Parklandschaft gelegen, bedürfen Wohn- wie auch Gewerbegebäude einer Sanierung. Diese will nun die Jakob Müller AG angehen, welche auf dem Weltmarkt führend ist in Entwicklung und Produktion von Bandwebmaschinen. Weil man sich bei der traditionsreichen Firma der besonderen Bedeutung des Bata-Parks bewusst ist, sollen die Bauten Schritt für Schritt erneuert werden. Als erstes wird der Gewerbeteil renoviert, später folgt der Wohnteil.

BATA Renovation

Wer nun fürchtet, der Geist des Bata-Parks könnte dabei verloren gehen, kann den Veränderungen ruhig entgegen sehen. Bedenken dieser Art sind unbegründet, weil die gesamte Planung von Fachleuten aus Denkmalpflege und Heimatschutz begleitet wird. Die beiden dreigeschossigen Produktionsgebäude sowie das Wohlfahrtshaus stehen nämlich unter Denkmalschutz. Zudem werden alle Bauvorhaben im Bata-Park durch eine ständige, den Gemeinderat von Möhlin beratende Fachkommission begutachtet. Besonders erfreulich: Die Jakob Müller AG will am Konzept aus den 30er-Jahren festhalten, welches Wohnen und Arbeiten miteinander verbindet.

BATA Park

Die Gemeinde Möhlin ist darüber sehr glücklich. Auf diese Weise nämlich bleibt das Bijou erhalten, noch dazu wird die Geschichte wieder lebendig. Denn immerhin ist der Bata-Park ein Industriedenkmal von nationaler Bedeutung. Noch heute reisen ganze Klassen von Architektur-Studenten an, um die Anlage zu bewundern.

Sonnenberg

Sonnenbergturm

Auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Möhlin (632 m ü. M.) steht der das ganze Jahr über frei begehbare Sonnenbergturm. Wer auf die in 22 Meter Höhe gelegenen, überdachte Aussichtsplattform gelangen will, muss 99 hölzerne Treppenstufen und 13 Podeste überwinden. Die Anstrengung lohnt sich, denn bei günstigem Wetter werden die Gipfelstürmer mit einer tollen Rundsicht belohnt.

Sonntags-Treffpunkt für Jung und Alt
Die gute Erschliessung mit Wanderwegen lockt viele Besucherinnen und Besucher an. Zusätzlich führt die Route des Fricktaler Höhenweges am Standort vorbei. Die Naturfreunde Möhlin betreuen mit viel Hingabe die Umgebung mit Spiel- und Grillplätzen und bieten auch Familien einen angenehmen Aufenthalt an. Eine bescheidene Bewirtung inkl. Kiosk ergänzt das Angebot der Naturfreunde Möhlin. Ist die Schweizerfahne aufgezogen, ist die Bewirtung jeweils am Sonntag garantiert. Der Auf- und Abstieg von Möhlin zum Sonnenberg führt durch ein von nationaler Bedeutung Eichenwaldreservates, welches ein grosses Biotop für den Mittelspecht enthält. Die Gemeinde Möhlin hat sich das Slogan ‚Zwischen Sonnenberg und Rhein‘ als attraktive Wohngemeinde ausgewählt.

Geschichte um die Entstehung des Turms
In einer Einsendung zur Eröffnung des Sonnenbergturms (Volksstimme aus dem Fricktal vom 20. Mai 1913) hiess es: «Der jetzige Sonnenbergturm, verdankt seine Entstehung der Initiative eines basellandschaftlichen Lehrers. Vom freundlich am Fusse des Sonnenberges gelegenen Maisprach aus besuchte derselbe im Sommer regelmässig einmal pro Woche den Berg und die nächste Umgebung. Bei einer Meereshöhe von 632 Metern ragt der Berg frei in die Rheinebene hinaus und erhebt sich mehr als 300 Meter über dieselbe und die nächste Umgebung, so dass ein vollständiger Rundblick von der Rheinebene, vom Schwarzwald, den Vogesen bis zu den Alpen ermöglicht ist. Voll Begeisterung für den schönen Punkt der Heimat, fasst der Lehrer den Entschluss, den Berg durch Verbesserung und Erstellung von Fusswegen zugänglicher zu machen und die Aussicht über den Waldbestand durch einen Turm zu erschliessen. Früher schon war auf Anregung von Dr. Wieland in Rheinfelden ein Holzturm errichtet worden, der aber bald gänzlich zerfiel, da er nicht unterhalten wurde.» Der Lehrer wurde ermuntert, seine Idee zu realisieren. Zuerst stand eine Eisenkonstruktion von 15 Metern Höhe zur Diskussion. Durch Konzerte sammelten die Initianten 50 Franken. «In seiner freien Zeit begab sich der Lehrer mit dem erwähnten Turmprojekt zunächst zu den finanzkräftigen Leuten der Umgebung, die ihm als solche bekannt waren oder von befreundeter Seite bezeichnet wurden und sammelte ‚Bausteine‘. Für jede der 5 umliegenden Gemeinden: Maisprach, Magden, Rheinfelden, Möhlin und Zeiningen wurde eine besondere Liste geführt deren Ergebnisse jeweilen in der ‚Volksstimme‘ mit den Initialen der Spender publiziert wurden. Beim Wegzug des Lehrers von Maisprach im Jahre 1898 waren 1400 Bausteine beisammen. Wenn die Verwirklichung des Projektes auch 15 Jahre erforderte, so darf man doch das Sprichwort in Anwendung bringen: Was lange währt, wird endlich gut.»


 

Möhlin - Jet

Hier weht ein ganz besonderer Wind

In Möhlin gibt es ein spezielles Wetterphänomen zu beobachten, den Möhlin-Jet.

Der Möhlin-Jet ist ein markanter Südost- bis Ostwind, der vom Mittelland her über die östlichen Juraausläufer hinweg nach Möhlin und ins Hochrheintal hinunter bläst. Er entsteht typischerweise bei winterlichen Hochdrucklagen, wenn sich südlich des Juras ein Kaltluftsee mit Nebel aufbaut. Wird diese kalte Nebel- und Hochnebelschicht hoch genug, schwappt sie von ihrem oberen Rand über die tiefst gelegenen Juraausläufer nordwärts und ergiesst sich zum Rhein hinunter. Dort trocknet sie rasch aus, überquert bei Möhlin im Talgrund als breiter und 100 bis 300 Meter hoher, trockener Luftstrom mit 30 bis 50 Stundenkilometern den Rhein und strömt Richtung Oberrheinische Tiefebene. Auf der Reise vom Jura in den Talgrund des Hochrheins erwärmt sich die Nebelluft leicht und vermischt sich mit trockener Umgebungsluft. Dadurch dünnt sich der Nebel rasch aus , sodass er sich meist östlich der Möhlin-Ebene auflöst. Somit bildet die Gegend um Möhlin oft eine markante Wetterscheide: Richtung Dinkelberg, insbesondere aber rheinaufwärts und zum Bözberg hin, herrscht kühles und nebliges oder bewölktes Wetter, während Möhlin selbst und vor allem die Gebiete rheinabwärts bis nach Basel Mulhouse von viel Sonne und höheren Temperaturen verwöhnt werden.

Der Möhlin Jet ist zwar ein schweizweit einmaliges Phänomen, doch theoretisch ist Ähnliches überall dort möglich, wo sich vergleichbare meteorologische und topographische Bedingungen wie im Fricktal finden. So ist die Bora in der nördlichen Adria ein typisches Beispiel für das Ausbrechen und Herunterstürzen von überschwappender Kaltluft hinter einem Gebirgsrücken.

Handballhochburg

TV Möhlin-Spitzenhandball und Breitensport!

Handballer - Sprungwurf
Hanbälle - Junior
 

Der TV Möhlin ist in der Handballszene schweizweit bekannt und verfügt über eine Geschichte, eine Identität, welche sehr stark in der Region verankert ist und von den unterschiedlichsten Gruppierungen geprägt wurde und wird! Da sind die grossen und kleinen Sportler, die aktiven Handballer, die ehemaligen Aktiven, charismatische Trainer, Vereinsfunktionäre, Helfer, treue Fans, aber auch Eltern, Freunde, Sponsoren, Gönner etc. Die Palette ist lang und vielfältig. Und all diese Menschen verbindet schlussendlich die Liebe zum Handballsport und damit zu ihrem Dorfverein.

Bild Aktive
Bild Publikum
 

Der Verein wurde 1893 gegründet und engagierte sich in den ersten Jahren vor allem im Sektionsturnen. Anfang der siebziger Jahre haben die Mitglieder beschlossen, ganz auf die Karte Handball zu setzen. Der Mut hat sich gelohnt, 2017 zählte der TV Möhlin beachtliche 517 Mitglieder. Die Erfolgsgeschichte soll weitergehen. Es wird vermehrt Wert auf eine fundierte Nachwuchsausbildung gelegt. Während die Jüngsten im Alter von fünf, sechs Jahren spielerisch an die komplexe Handballtechnik herangeführt werden, zeugen die stattlichen Juniorinnen- und Juniorenabteilungen (regional, inter und Elite) von einer engagierten und motivierten Trainerarbeit. Aus diesem Ausbildungsgefäss schaffen es doch immer wieder talentierte und fokussierte Spieler in die höhere nationale Liga. Die erste Mannschaft des TV Möhlin spielt aktuell in der NLB und besticht mit einer überdurchschnittlichen Zuschauerzahl an den Heimspielen im Steinli. Einige Heimspiele bleiben unvergessen, geniessen Kultstatus und werden auch in Zukunft immer wieder für sportliche Überraschungen gegen Top-Mannschaften im Cup oder in der Meisterschaft sorgen. Die neue Steinlihalle, welche seit 2015 in Betrieb ist, bietet zudem mehr Platz für Trainings und Events und bedeutet ein nicht zu unterschätzender Mehrwert. Auch die Breite mit den Damen (3.Liga) und den Herren-Ligen (2.Liga und DRÜ) profitieren von der verbesserten modernen Infrastruktur.

Auf der Vereinswebseite erhalten sie einen umfassenden Einblick ins spannende Vereinsgeschehen und insbesondere einen Überblick über die aktuellen Teams in der laufenden Saison! Es freut uns, wenn sie mit uns die Begeisterung am Handballsport teilen oder uns gar als Macher unterstützen werden.

Logo TVM
 

Matthias Kyburz- OL-Weltmeister aus Möhlin!

Matthias Kyburz - Zieleinlauf
Matthias Kyburz - Siegerehrung

Matthias Kyburz dominiert nicht nur die OL-Szene in der Schweiz, sondern auch auf internationalem Parkett.
Der 1990 geborene Orientierungsläufer entstammt einer sportbegeisterten Familie, wuchs in Möhlin auf und erlernte das Laufen mit Kompass und Karte im heimischen «Forst» des Dorfes. Schon als Primarschüler trat er und sein zwei Jahre älterer Bruder dem OLK Fricktal bei und beide schafften es ohne Mühe ins Nachwuchskader des Aargauischen OL-Verbandes. Bald wurde man auch auf nationaler Ebene auf die schnellen Lauftalente aus dem Fricktal aufmerksam und so wurden Matthias und Andreas Kyburz auch für das National-Kader selektioniert.
Matthias Kyburz gewann nicht nur an der Jugend-EM Gold, sondern lief auch als Junioren-Läufer stets vorne mit. Angekommen im Elitekader von Swiss Orienteering, startete er nahtlos durch: 2012 gewann Matthias Kyburz WM- Gold im Sprint. Zudem krönte er seine Saison mit dem Sieg im Gesamtweltcup. Diesen Titel sicherte er sich auch in der Saison 2013. Ab 2013 reüssiert der Spitzenathlet mit Fricktaler Wurzeln unentwegt an internationalen Wettkämpfen, sei es in Schottland, Norwegen, Schweden oder Australien. Mittlerweile umfasst sein Palmarès vier Weltmeistertitel, drei Europameistertitel und vier Gesamtweltcupsiege. Zuletzt gewann der 27-jährige Biologie-Student den Gesamtweltcup in Grindelwald (2017).

 

Der sympathische Ausdauerathlet berichtet regelmässig auf seiner Homepage über die Wettkämpfe im In- und Ausland. Er ist Mitglied im lokalen OL Verein OLK Fricktal, im norwegischen Sportklub Tyrving IL und im Leichtahletik-Club LC Basel. Wer Matthias Kyburz und seinen Bruder Andreas (ebenfalls Mitglied im A-Kader) in ihren sportlichen Zielen unterstützen möchte, kann über den Fanclub Kontakt aufnehmen.

Alle News und sportlichen Erfolge kann man auf der persönlichen Webseite des Athleten nachlesen:
www.matthiaskyburz.ch
www.swiss-orienteering.ch

Matthias Kyburz
 

Salz des Lebens

Mit der Saline Riburg findet sich bei Möhlin ein Unternehmen mit reicher Tradition. Genau genommen liegt sie zwar auf Rheinfelder Boden, benannt wurde sie aber nach einem Ortsteil von Möhlin und gehört daher irgendwie trotzdem zum Dorf zischen Sonnenberg und Rhein. Die Saline Riburg ist Teil der Schweizer Rheinsalinen – eine Firma, deren Geschichte in die Zeit der Industrialisierung zurückreicht, nämlich ins Jahr 1837.

Seit rund 170 Jahren also gewinnt das Unternehmen Salz. Ein lebenswichtiger und vielseitig genutzter Rohstoff. Salz stellte denn auch eine der zentralen Ressourcen der Chemiefirmen in und um Basel dar. Ausserdem ermöglichte es erst die Badekultur in Rheinfelden sowie anderer Schweizer Solebädern.

Gab es anfangs vier privat geführte Salinen, die in Konkurrenz zueinander standen, verschmolzen diese anno 1909 zum einem Betrieb. Heute befinden sich die Schweizer Rheinsalinen im Besitz der Kantone (ausser dem Kanton Waadt, welcher in der Saline Bex selbst Salz abbaut), des Fürstentums Liechtenstein und der Südsalz GmbH München.

In den Salinen Schweizerhalle und Riburg gewinnt das Unternehmen jährlich nicht weniger als 400 000 bis 500 000 Tonnen Salz. Hierzu bohrt man die bis zu 400 Meter unter der Erdoberfläche gelegene Salzschicht des Ur-Meers an, löst sie mit Hilfe von Wasser auf und dampft anschliessend die Salzlösung (Sole) in der Saline wieder ein. Durch diesen Prozess entstehen reines Salz und als Nebenprodukte Wasser, Gips und Kalk. Übrigens: Das Salz aus dem Ur-Meer ist tatsächlich uralt – die ältesten bekannten Steinsalze sind vor mehr als 600 Millionen Jahren entstanden.

Saldome

(Bild: Saldome und Saldome2 / Lagerhallen für Streusalz)

Das Unternehmen mit seinen 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern macht einen Jahresumsatz von 60 bis 70 Millionen Franken. Zustande kommt dieser durch den Verkauf von Speisesalz – das bekannte «JuraSel» –, das einen Anteil von 9 Prozent (in Tonnen) ausmacht. Daneben produzieren die Schweizer Rheinsalinen Landwirtschaftssalz («Swissbloc», 5 Prozent), Industrie- und Gewerbesalze (20 bis 25 Prozent), Wasserenthärter-Regeneriersalze («Reosal», 8 Prozent), Auftausalze (20 bis 45 Prozent), Sole und Badesalz («Actisal», 3 Prozent) sowie Fremdprodukte (6 Prozent).

Die Saline Riburg ist also von nationaler Bedeutung. Schliesslich stellt sie ja auch lebenswichtige Produkte her, denn bekanntlich braucht der Mensch ein gewisses Quantum Salz, um gesund zu bleiben. Was Wunder also, dass das weisse Gold und seine Förderstätte auch für Möhlin von besonderer Bedeutung sind. Und dies gleich in zweifacher Hinsicht: Mit dem im August 2005 in Betrieb genommenen Saldome verfügt man über ein einmaliges modernes Industriebauwerk. Mit einer Höhe von 31 Metern und einem Durchmesser von 93 Metern ist der Saldome der grösste Kuppelbau der Schweiz. Gelagert werden in diesem Gebäude nicht weniger als 80 000 Tonnen Salz. Dank der Inbetriebnahme des Saldomes konnten die Schweizer Rheinsalinen ihre Lagerkapazität auf ungefähr 150 000 Tonnen verdoppeln – was ungefähr dem anderthalbfachen Jahresbedarf entspricht. Gleich neben dem supermodernen Bauwerk steht sozusagen die Geschichte. Dort befinden sich nämlich historische Bohrtürme.

Spuren der Römerzeit

Die Wehranlage <<Bürkli>> in Möhlin-Riburg

Das «Bürkli» bei Möhlin-Riburg nimmt eine steilwandige Schotterterrasse zwischen Rhein und Möhlinerbach ein. Sie wurde vermutlich bereits zur Römerzeit und erneut im Frühmittelalter zu einer Wehranlage ausgebaut

Übersichtsplan
Grundriss Bürkli

Die Südseite der Anlage wurde durch einen tief eingeschnittenen Halsgraben (3) und durch einen mächtigen Erdwall (4) mit gemauertem Torgebäude geschützt. Das Torgebäude (5), zu dem eine steile Rampe (2) führte, bestand aus der Tordurchfahrt und zwei seitlichen Räumen. Ihre Fundamente wurden 1941 ausgegraben und konserviert. Im Vorgelände ( A ) südlich des Halsgrabens bestand ein kompliziertes System aus zusätzlichen Wallanlagen und Gräben (1). Sie erschwerten einem berittenen Angreifer die Durchquerung des Vorgeländes.

Innenüberbauung
Das Innenareal des Bürkli ist durch Gräben und Erdwälle in zwei Abschnitte unterteilt. Im Südabschnitt ( B ) stand ein grosses Gebäude (6) unbekannter Funktion. Ob in diesem Areal noch weitere Gebäude bestanden haben, muss beim heutigen Stand der Forschung offen bleiben. Der durch zwei Gräben (7) und Wälle (8) gesicherte Nordabschnitt ( C ) der Wehranlage war ursprünglich doppelt so gross wie heute. Seine Westhälfte ist der Erosion durch den Rhein zum Opfer gefallen. Im Zentrum der Kernburg stand ein Turm (9), der vor langer Zeit durch Unterspülung in den Rhein abgestürzt ist. Dieser Turm könnte zur spätrömischen Grenzbefestigung gehört haben und diente vermutlich im Mittelalter einer Adelsfamilie als Wohnsitz.

Zeitstellung und Funktion
Ausgehend von den aufwendigen Befestigungsanlagen aus gestaffelt angelegten Erdwällen und Gräben, die für Wehranlagen des Frühmittelalters und besonders des 10. Jahrhunderts typisch sind, dürfte das Bürkli in die Zeit der Ungareneinfälle von 917 und 925 zu datieren sein. Damals suchte die bedrohte Bevölkerung vor den kriegerischen Reiterhorden in Fluchtburgen Schutz. Die Zweiteilung der Anlage in Kern- und Vorburg weist zudem auf einen frühen Adelssitz hin. Als Bewohner der Kernburg kommt für das 10. Jahrhundert am ehesten eine Grafenfamilie in Betracht.

Der Glücksschmied

Der das Glück nach Möhlin bringt

Viele «Mehler» können sich den Silvesterabend ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Hufschmied Hans Mahrer fertigt in den letzten Minuten des alten und in den ersten Minuten des neuen Jahres an der Schmittenbrücke ein Hufeisen, auf dass es den Menschen und der Gemeinde Glück bringe.

Schmied mit Skulptur

Eigentlich ist Hans Mahrer ein ganz gewöhnlicher Hufschmied. Inzwischen zwar aus Gesundheits- und Altersgründen kürzer getreten, hat er seinen Beruf Jahrzehnte lang mit grosser Leidenschaft ausgeübt. Das zeigt sich auch im Haus, das er zusammen mit seiner Frau bewohnt: Überall finden sich Zeichen seines Handwerks – sei es das über dreissigjährige provisorische Treppengeländer, das exklusive Schlüsselkästchen oder der Eisenknoten, welcher sogar die Bewunderung der Berufskollegen hervorruft. Geprägt ist das Heim ausserdem von Hans Mahrers zweiter Leidenschaft, der Jagd. Die Wände des Esszimmers zieren zahllose Rehschädel und andere Trophäen. «Ich war schon oft in Afrika», erzählt er. «Wie dort üblich, gab ich von jedem geschossenen Tier dem Häuptling des Stammes, dem das Land gehörte, ein Stück Fleisch ab. So hatten die Eingeborenen ebenfalls etwas davon.»

Der 67-Jährige weiss viel zu erzählen – spannende Jagdgeschichten ebenso wie interessante Berufsepisoden. Dazu gehört, dass er im Laufe seiner Karriere wohl gegen 50 000 Pferde beschlagen habe. «Dabei muss man aufpassen, dass die Hufnägel lediglich ins Horn dringen und nicht ins Fleisch der Tiere, denn das schmerzunempfindliche Horn und das äusserst sensible Fleisch liegen sehr nahe bei einander», erklärt Mahrer. Bei mehreren Nägeln pro Hufeisen und noch mehr Schlägen pro Nagel sind so im Laufe der Zeit unzählige Hiebe zusammengekommen.

Heute gebe es mehr Pferde als früher, meint der Hufschmied. «Als ich ein Bub war, sagte mein Vater, der ebenfalls als Hufschmied arbeitete, es habe jetzt 65 Pferde in Möhlin. Inzwischen sind es etwa 200.» Nur logisch also, dass Hans Mahrer seit 20 Jahren nichts anderes mehr macht, als Hufeisen anzupassen.

Das war nicht immer so. Lange hatte er sich dem Kunsthandwerk verschrieben. Wasserspeier in Gestalt von Fabeltieren an der Dachrinne des ehemaligen Restaurants «Schiff» in Wallbach zeugen davon. Ebenso kunstvoll geschmiedete Geländer beispielsweise in Möhlin, den umliegenden Gemeinden und sogar in Herrliberg bei Zürich.

Es gab aber auch eine Zeit, in der Hans Mahrer Dinge fertigte, die viele Menschen gar nicht mehr kennen. Kuheisen etwa, von denen der Schmied noch immer einige besitzt und die er wie einen Schatz hütet. Früher wurden die Wiederkäuer meist an den äusseren Klauen mit ganz speziellen Eisen beschlagen. Mahrer: «Damals hatten die Bauern kein Geld für Pferde, also wurden Ochsen und Kühe vor die Wagen gespannt.» Für die Holzräder dieser Wagen fertigten er, vor ihm sein Vater Hans und zuvor Grossvater Edwin Eisenreifen. Sogar Werkzeuge für die Bauern oder Maurerkellen stellte Hans Mahrer her als es noch keine Baufachmärkte gab.

Ebenfalls viele Jahre sind ins Land gezogen, seit die Idee zum inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Möhliner Silvesterbrauch entstanden ist. Genauer gesagt sind es heuer 50 Jahre – nächsten Silvester gilt es also auf ein Jubiläum anzustossen!

Doch wie ist der Brauch überhaupt entstanden? Hans Mahrer erinnert sich an Silvester 1956. «Zusammen mit drei Kollegen habe ich an diesem Abend in der Schmitte vier ganze Poulets gebraten, für jeden eines. Damals war das etwas ganz Besonderes, sozusagen eine Sensation, denn Poulets konnten sich nur die Reichen leisten.» Natürlich wurde nicht nur fürstlich gegessen, sondern auch königlich getrunken. «Ziemlich angeheitert kam ich kurz vor Mitternacht auf die Idee, den kleinen Amboss ins Freie zu tragen, ein Stück Eisen zu nehmen und darauf herumzuklopfen. Durch das Hämmern wurden einige Menschen angelockt, die zuschauten und schliesslich sagten: <Das müsst ihr von nun an jedes Jahr machen. >»

Gesagt, getan. Seither schmiedet Hans Mahrer das alte Jahr aus und das neue ein, wie er es nennt. Das Schauspiel beginnt jeweils um etwa 23.53 Uhr im alten Jahr und endet ungefähr drei Minuten, nachdem das neue Jahr angebrochen ist. Damit ein Hufeisen geschmiedet werden kann, muss es zweimal erwärmt und behämmert werden. Das erste Mal tut Hans Mahrer dies sieben Minuten vor Mitternacht, mit dem zweiten Arbeitsgang beginnt er zwei Minuten, bevor es zwölf Uhr schlägt. Ist das Hufeisen vollendet, hält der schnauzbärtige Schmied eine kurze Neujahrsansprache, in der er sagt, wem das Eisen ganz besonders viel Glück bringen solle. «Ausserdem bestimme ich, wer das Hufeisen danach behalten darf. So zeichne ich auf meine Art gewisse Menschen aus.» Das ist tatsächlich eine besondere Ehre, denn der Glücks-Bringer von Möhlin erhält wesentlich mehr Anfragen als er Silvester-Hufeisen schmiedet. Zur Tradition ist zudem geworden, dass Ernst Frank vom Schuhhaus Frank einen grossen Zopf mitbringt und der Schmied Wein spendiert. Mittlerweilen tun es ihm viele Besucher gleich oder bringen Champagner mit.

Inzwischen wohnen jedes Jahr 300 bis 400 Menschen dem Treiben bei. Rund ein Drittel kommt von auswärts, manche reisen sogar von weither an. So weiss der Glücksschmied von einer Familie, die früher in «Mehli» zu Hause war, nun aber jeweils den Weg aus Bern nicht scheut, um ein bisschen Heimatluft zu schnuppern. Manche Leute seien schon vierzig Mal gekommen, sie könnten sich Silvester ohne das Hufeisen-Schmieden gar nicht mehr vorstellen. «Mir geht es genauso», gesteht der kräftige Mann. «Darum mache ich weiter, solange es geht.» Seit einigen Jahren wird er jeweils von seinem Sohn Adrian unterstützt, ebenfalls gelernter Hufschmied. Es besteht also Hoffnung, dass der Junior den Brauch dereinst weiterführen wird, wenn Hans Mahrers Gesundheit nicht mehr mitmacht.

«Weil das Hufeisen so begehrt ist, muss ich immer aufpassen, dass es mir niemand im Trubel stibitzt», sagt Mahrer. Noch heute wird er bleich, wenn er sich an jenes Jahresende erinnert, als ihm eine junge Frau das Eisen aus der Zange riss. Da es noch glühte, verbrannte sich die Frau ganz fürchterlich die Hand, das Eisen blieb an der Haut kleben. Geistesgegenwärtig tauchte der Schmied die Hand der schreienden Frau in den zur Abkühlung des Glücksbringers vorgesehenen Wasserkübel und schleuderte das Hufeisen in den Bach, damit nicht noch ein Unfall geschehen konnte. «Das war ein riesiger Schreck für mich», erklärt Mahrer. «Die Frau musste mehrmals operiert werden, denn ausser den Hautverbrennungen war die Sehne geschädigt, sie hatte sich durch die Hitze zusammengezogen.»

Zum Glück sind aber auch Schmunzelgeschichten rund um Möhlins ganz speziellen Silvesterbrauch überliefert. So fuhr der frühere Gemeindeammann Franz Metzger während seiner Amtszeit einmal derart schwungvoll am Ort des Geschehens vor, dass er den Amboss rammte, auf welchem das Glückeisen geschmiedet werden sollte. Diesem rasanten Auftritt hielt selbst der schwere Amboss nicht stand, worauf dieser auf das Auto kippte und dort einen Blechschaden verursachte. Hans Mahrer: «Gemeinsam konnten wir den Amboss jedoch wieder entfernen und das neue Jahr doch noch einschmieden.»

Ebenfalls ein Lächeln huscht ihm übers Gesicht, wenn er an jene Kinder denkt, denen er unter dem Jahr ein Hufeisen gegeben und ihnen gesagt hat, sie sollten es immer in der Schultasche mit sich tragen und unter den Tisch legen, wenn sie eine Prüfung hätten. «Ob man es glaubt oder nicht: Plötzlich hatten die Kinder viel bessere Noten.» Zauberei oder Magie? Man weiss es nicht. Vielleicht war es die Extraportion Selbstvertrauen, welche der Glückbringer den Schülern gab.

Doch woher kommt eigentlich der Glaube, dass ein Hufeisen Glück bringt? Das sei nicht klar, sagt der Fachmann. Es gebe allerdings eine Erklärung, die ihm ziemlich glaubwürdig erscheine. Und die lautet so: Früher, als nur Könige und Reiche Pferde besassen, wurden Gold- und Silbernägel zur Befestigung der Hufeisen verwendet. Verlor nun ein Tier ein Hufeisen, sandten die Edelleute Suchtrupps aus. Wer immer das edle Stück fand und seinem Besitzer zurückbrachte, durfte als Finderlohn einen der wertvollen Nägel erwarten. So erhielten die Pferdehalter ihre Nägel zurück und der Überbringer ging ebenfalls nicht leer aus – das Hufeisen hatte also beiden Glück gebracht.

Gold spielt auch eine wichtige Rolle bei Hans Mahrers zweitem aussergewöhnlichen Ämtchen. Er «verheiratet» nämlich frischgebackene Eheleute auf seine eigene Weise. Er nimmt ein von ihm vorfabriziertes und vergoldetes Hufeisen auf die Feier mit und bittet dann Braut und Bräutigam, ihm beim Schmieden zu helfen. «Jeder muss auf seiner Seite die Löcher für die Nägel hineinschlagen.» Anschliessend verweigt der Profi das Hochzeitsdatum im Hufeisen und weist das Paar an, es über dem Bett oder an einem anderen würdigen Ort aufzuhängen. Mit der offenen Seite nach oben, notabene, damit das Glück hineinfallen könne. Stolz sagt Mahrer: «Noch keine einzige Ehe, die ich geschmiedet habe, ist in die Brüche gegangen.»

Angesichts dieser herausragenden Bilanz würde man allen Hochzeitern ein goldenes Hufeisen wünschen. Doch daraus wird nichts, denn in den Genuss dieses Rituals kommen lediglich

wenige Auserwählte, «nur gute Bekannte und Freunde, auch wenn ich immer wieder angefragt werde».

Ob an Silvester, bei Kindern oder an Hochzeiten – Hans Mahrer ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Glücksschmied.

Gärtnermeister Thommen Hansruedi

«Ich experimentiere gerne mit dem Wuchs»

Nach 17-jähriger Berufswanderschaft übernahm Hansruedi Thommen vor fast 50 Jahren die vor 100 Jahren gegründete Gärtnerei seiner Eltern. Der 84-jährige Gärtner leistet nach wie vor ein volles Pensum und leitet den Betrieb. Das wichtigste Anliegen ist ihm eine qualitativ hochstehende Produktion. Mit dieser Einstellung hat er sich an Blumenschauen über 1000 Medaillen geholt.

An Pflanzenschauen in Deutschland und der Schweiz konnten nur wenige Hansruedi Thommen das Wasser reichen: «Ich gab jeweils mein Bestes, und zwar kompromisslos.»
An Pflanzenschauen in Deutschland und der Schweiz konnten nur wenige Hansruedi Thommen das Wasser reichen: «Ich gab jeweils mein Bestes, und zwar kompromisslos.»

Disziplin, Eigenwille und ein feines Gespür für Farbe, Form und Komposition – diese Eigenschaften haben Hansruedi Thommen durch sein Leben begleitet. Die Gärtnerei Thommen, die heuer ihr hundertjähriges Jubiläum feiert, ist zu einem guten Teil sein Werk. Genau genommen übernahm er die Gärtnerei und das dazugehörige Einfamilienhaus am Weihnachtsabend 1970. Die Geschichte zuvor in wenigen Sätzen: Gegründet wurde die Gärtnerei Thommen 1921 in der Stadt Basel an der Lehenmattstrasse, an der 16 weitere Gärtnereien Gemüsesetzlinge zogen, Zierpflanzen kultivierten, Gartenbauleistungen anboten und Gräber auf Friedhöfen anpflanzten. 1943 erwarb der Sohn die Gärtnerei und siedelte 1949 nach Muttenz. 1961 kam es aufgrund einer neuen Bauzonenordnung zum definitiven Umzug nach Möhlin ins aargauische Fricktal. 

Am besagten Weihnachtsabend 1970 war Hansruedi Thommen nach 17 Wander- und Weiterbildungsjahren von Amerika in die Schweiz zurückgekehrt, mit einem reichen Schatz an Erfahrungen und Eindrücken, und zog ins geräumte Elternhaus ein. Zwei Jahre zuvor war sein Vater gestorben. In der Zeit dazwischen hatte er seine Mutter und Schwester vor die Wahl gestellt, dass er entweder das Gärtnereiunternehmen allein besitzt und führt oder dann in den USA bleibt und dort seinen Beruf weiter ausübt. Nach eingehender Diskussion erhielt er die Gärtnerei vertraglich zugesprochen. «Diese Situation war für meine Mutter brutal», räumt Thommen heute ein. «Erst vier Jahre später sagte sie mir in einem Gespräch: ‹Du hast hart, aber richtig gehandelt.›» Nach dieser Aussprache war das Eis gebrochen, das sich nach der abrupten Geschäftsübernahme zwischen Mutter und Sohn gebildet hatte, und Hansruedi Thommen wurde es wieder bewusst, dass er im Umgang mit anderen kein einfacher Mensch war.

Von der Gärtnerei in die weite Welt
Gärtner war seit jeher sein Wunschberuf. «Schon als ich sechs Jahre alt war, sagten mir die Leute, aus mir werde einst ein Gärtner. Für mich selbst gab es ebenfalls keinen anderen Beruf.» Dass ihr Sohn in der Gärtnerei mithalf und dereinst den Familienbetrieb übernehmen würde, war auch für die Eltern selbstverständlich. Beim Topfpflanzengärtner Karl Doblers Erben in Muttenz (BL) absolvierte er dann von 1951 bis 1954 die Lehre. Ein Jahr nach dem Abschluss sagte ihm sein ehemaliger Lehrmeister entschieden, er müsse hinaus in die Welt, um andere Erfahrungen als sein Vater zu sammeln. Bereits hatte er ihm eine Stelle in Neu-Isenburg (D) bei Karl Siemang arrangiert. «Das war für mich eine harte Aussage», sagt Thommen, «aber Unrecht hatte er grundsätzlich nicht. Mein Vater war niemals ausserhalb seiner Gärtnerei.» Nach fast zwei Jahren in Neu-Isenburg bei Frankfurt folgte ein weiteres in Berlin-Mariendorf bei August Noack. 

Nach der Rekrutenschule bildete Thommen sich 1959/60 an der Gartenbauschule Oeschberg weiter. Die Eltern erwarteten danach von ihm, dass er im Familienbetrieb sesshaft werde. Sein Vater führte, wie es damals in Kleinbetrieben immer wieder vorkam, keine Buchhaltung und hatte sich verschuldet. «Am Oeschberg lernte ich, dass eine Rechnungsführung betriebswirtschaftlich notwendig ist», erklärt ihm sein Sohn. Verständigen konnten sie sich jedoch nicht, auch nicht über Regeln einer künftigen Geschäftsübergabe. «Einer von uns beiden muss also gehen», konfrontierte ihn der Junior. «Da ich der Jüngere bin, liegt dies an mir.»

Das Verlangen, Neues zu erfahren, führte ihn nach Tours (F) in die Gärtnerei Travillion und zum renommierten Orchideenzüchter Vacherot et Lecoufle nach Paris. Ab 1962 zog er weiter zu Orchideenbetrieben in Florida und Californien. In den USA genoss er mit seiner fundierten Schweizer Gärtnerausbildung 
hohes Ansehen. Seine Chefs gaben ihm grosse Freiräume, die er zum Ausprobieren neuer Ideen nutzen konnte. Viele Wege standen ihm offen. Beispielsweise vermittelte ihm ein amerikanischer Agent einen sechswöchigen Aufenthalt bei den Indios im Quellgebiet des Amazonas, mit dem Auftrag, Orchideen für Kulturen in Amerika zu suchen und zu sammeln. Damals war ein solcher Handel noch legal und unterstand noch keinem Artenschutzübereinkommen. Vom Reisen und den damaligen Erlebnissen spricht Thommen heute gerne – mit einer Mischung von Wehmut und Sehnsucht, aber auch Stolz, dass er es getan hat.

Noch heute bepflanzt der 84-Jährige Rabatten der Gemeinde Möhlin (AG). Das Spiel mit Form und Farben liebt er über alles. Besonders freut es ihn, wenn Passanten ihn auf seine Kompositionen ansprechen.
Noch heute bepflanzt der 84-Jährige Rabatten der Gemeinde Möhlin (AG). Das Spiel mit Form und Farben liebt er über alles. Besonders freut es ihn, wenn Passanten ihn auf seine Kompositionen ansprechen.

Medaillensegen über Jahre
In der Schweiz zurück, gewinnt der Name Thommen an nationalen und internationalen Blumenschauen schnell an Bekanntheit. Bereits in den USA nahm er an solchen Meisterschaften teil und an der Grün 80, einer gross angelegten Garten- und Landschaftsausstellung in Münchenstein bei Basel, wurde er mit je zwei Gold- und Silber sowie drei Bronzemedaillen ausgezeichnet. Für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) in München (1983) fragte er bei Kollegen des Verbands Schweizerischer Topfpflanzen- und Schnittblumengärtnereien nach, ob er sie begleiten dürfe. Mit Chrysanthemen gewannen er und ein weiterer Berufskollege mehrere Medaillen, während fast alle anderen Schweizer leer ausgingen. «Seit dieser Gärtnerolympiade sind viele Schweizer Kollegen sauer auf mich», bedauert Thommen. Und sie fingen an, ihn zu meiden. An die Bundesgartenschau in Berlin ging er 1985 deshalb allein. Wieder holte er mehrere Medaillen. In den Folgejahren bis 2011 wurde er an den sogenannten Gärtnerolympiaden noch mit deutlich mehr Medaillen geehrt. Dafür erhielt er von

JardinSuisse die Ehrenmitgliedschaft und der Verband meldete ihn als Gewinner von 513 Gold-, 358 Silber- und 259 Bronzemedaillen an nationalen und internationalen Gartenschauen erfolgreich für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde an. Zusätzlich gewann er an Bundesgartenschauen 32 grosse Goldmedaillen für bestimmte Pflanzen und das Erscheinungsbild der Ausstellungsflächen sowie sieben Staatspreise des deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Gold, drei in Silber und einen in Bronze für Schnittblumen und Topfpflanzen.

Den Medaillensegen führt Thommen auf Eigendisziplin zurück: «Ich gab jeweils mein Bestes, und zwar kompromisslos.» Bei den Mitbewerbern kam dies unterschiedlich an. Manche zollten ihm Respekt und schauten ihm bei der Arbeit über die Schultern. «Einzelne Berufskollegen indessen machten ihr Mitwirken davon abhängig, ob auch ich auf dem Platz war», erzählt er. Traurig stimmen ihn bis heute Gärtner, die ihm mit Neid begegneten und den Kontakt abbrachen. 

Vertiefte Pflanzenkenntnisse
Systematisch mit dem Doppelmeter und dem Abstecken von Linien und Feldern ging Thommen an den Blumenschauen nie vor. Bei seinen Kompositionen verliess er sich ganz auf seine Intuition vor Ort. Falls ihm jedoch eine Anordnung nicht gefiel, nahm er die Pflanzen wieder aus dem Boden und gestaltete so lange, bis er mit dem Resultat zufrieden war. Ebenso wichtig war für ihn die Qualität der Pflanzen. Anhängig machte der Gärtner sie vom genauen Beobachten, wie eine Pflanze wächst und wie beispielsweise mit Pinzieren beim richtigen Trieb und zu einem bestimmten Zeitpunkt die Blütenbildung beeinflusst werden kann. «In der Gärtnerei bereitete ich die Blumenschauen nach bestem Wissen vor. Ich liebe meinen Beruf und wollte seit jeher den Wuchs einer Pflanze verstehen und optimieren.» An den Orchideen und Chrysanthemen gefällt ihm die Vielfalt an Formen und Farben. Interessiert ist er aber an allen Pflanzen und deren Eigenarten. «Es ist die Liebe zur Natur, und ich experimentiere gerne mit dem Wuchs», doppelt er nach. Dabei setzt er, wenn überhaupt, nur überlegt und sparsam Dünger ein und bekämpft Schädlinge schon seit Jahren mit Nützlingen. «Als ich vor 50 Jahren mit dem Kultivieren von Pflanzen begann, sagte ich mir, ich will den Boden so zurücklassen, wie ich ihn übernommen habe.» Stolz erzählt er, dass eine im Dezember vom kantonalen Umweltamt vorgenommene Analyse der Pestizidbelastung im Boden zeigte, dass er dieses Ziel erreicht hat, während weit mehr als die Hälfte der untersuchten Gärtnereien die Richtwerte überschritten hat. Seit Jahren schon lässt er vom JardinSuisse-Labor regelmässig Bodenproben untersuchen. Nach 2011 nahm er an keiner deutschen Gartenschau mehr teil. «Ursprünglich wollte man den Besuchern die Vielfalt der Pflanzen vor Augen führen. Immer mehr flossen dann aber die Gelder für die Bundesgartenschau in lange Mauern, Parkplätze und andere Bauten.» Thommen war nicht der einzige Teilnehmer, der den baulichen Eingriffen selbst in historischen Anlagen und dem Roden von alten Baumbeständen kritisch gegenüberstand.

Quer zum Zeitgeist
Die Thommen Gärtnerei hatte bis zu acht Mitarbeiter in der Produktion und im Verkauf und besteht heute aus sechs unterschiedlich beheizten Gewächshäusern mit einer Fläche von insgesamt 3000 Quadratmetern. «Ich wäre froh, es wären nur 2000 Quadratmeter.» Seine 26 Jahre jüngere Frau, der er 2001 im Alter von 65 Jahren das Geschäft übergeben hatte, wollte expandieren. «Sie war ein herzensguter Mensch. Die von ihr umgesetzte Vergrösserung hat aber nicht funktioniert.» Rückblickend sagt Thommen: «Für mich war Qualität statt Quantität immer das oberste Leitprinzip. Auch mit weniger Fläche ist man so konkurrenzfähig.»

Mit Hansruedi Thommen endet voraussichtlich auch die Ära der 100-jährigen Gärtnerei Thommen. «Ich möchte alles verkaufen. Dieser Schritt ist nur eine Frage
der Zeit.» Auch seine Tochter, ausgebildete Gärtnerin mit Fachrichtung Zierpflanzen, will das Unternehmen nicht übernehmen. «Ich kann sie gut verstehen, dass sie in der aktuellen Situation nicht möchte.» Eine Lösung zeichnet sich noch nicht ab. «Auch bin ich noch nicht so weit.» Der 84-Jährige arbeitet nämlich immer noch gleich viel wie seine jüngeren Berufskollegen. Den Computer, mit dem die junge Generation aufgewachsen ist, setzt er hingegen nur dort ein, wo es unbedingt nötig ist: eine spärlich bewirtschaftete Webseite, dafür jedoch Telefon, Fax und Einträge in die gängigen Branchenverzeichnisse.

Text und Fotos: Urs Rüttimann